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sachbuch

Cover für „Wunderstoffe“ von Mark Miodownik

Wunderstoffe

Mark Miodownik

Papier ist nicht gleich Papier. Während Klopapier fast ausschließlich aus Zellulosefasern besteht, wird das Papier für Banknoten aus Baumwolle gemacht. Weil diese im Gegensatz zu Zellulose keine Stärke enthält, kann man mit einem Jodstift schnell überprüfen, ob ein Geldschein gefälscht ist. Da Jod Stärke verfärbt, darf es auf einem echten Schein keine Spuren hinterlassen.

Beton gilt als Baustoff der Moderne und ist doch eine Erfindung der alten Römer. Die 2000 Jahre alte Kuppel des Pantheons in Rom ist bis heute die größte nicht verstärkte Betonkuppel der Welt.

Und die Tatsache, dass unsere Suppe nur nach Suppe und nicht nach dem Metall schmeckt, mit dem wir sie auslöffeln ist nicht selbstverständlich. Die Erkenntnis, dass eine unsichtbare Schutzschicht aus Chromoxid Stahl nicht nur vor Rost schützt sondern ihn auch geschmacksneutral macht, ist erst rund 100 Jahre alt.

Der englische Materialwissenschaftler Mark Miodownik stellt dem Leser in seinem Buch zehn Materialien vor, die unsere Zivilisation ausmachen. Als roter Faden dient ihm ein Foto. Er sitzt auf einer Londoner Dachterrasse, vor sich eine Tasse Tee, dazu ein Stück Schokolade und macht sich mit einem Bleistift Notizen. Er ist umgeben von Stahl (Tisch), Papier (Notizblock), Beton (Terrassenboden), Schokolade, Schaumstoff (Turnschuhe), Plastik (Blumentopf), Glas (Wasserglas), Graphit (Bleistift), Porzellan (Teetasse) und in seinem Knie trägt er ein Implantat aus Titan. Zu jedem dieser Stoffe, die tagtäglich und selbstverständlich in seinem und in unser allem Gebrauch sind, schreibt er ein Kapitel, in dem er über Entstehung, Zusammensetzung, Eigenschaften und Bedeutung des Materials schreibt.

Doch anstatt uns mit dröger Wissenschaftsprosa zu langweilen, variiert er in Stil und Form, streut Anekdoten ein und hält auch mit seinen persönlichen Vorlieben nicht hinterm Berg. Das Kapitel über Plastik ist in Form eines Drehbuches geschrieben, schließlich wäre die Geschichte des Kinos ohne den Kunststoff Zelluloid undenkbar. Voller Poesie beschreibt er das Schmelzen eines Stücks Schokolade im Mund, die Entfaltung der Aromen und die Empfindung der Texturen, dass man als Leser – trunken vom vermittelten Glücksgefühl – für einen Augenblick glaubt, die zu Grunde liegenden chemischen Prozesse zu verstehen. Und das Kapitel über Papier gerät zu einer fulminanten Liebeserklärung an den vertrauenswürdigsten aller Stoffe der menschlichen Zivilisation.

Er lädt die Leser ein, seine Begeisterung für den genauen Blick auf die Dinge des Alltags zu teilen, ohne sie zu nötigen, jeden wissenschaftlichen Zusammenhang bis ins letzte Detail zu verstehen – und unterhält dabei bestens.

Erschienen bei DVA / 19,99 €

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