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sachbuch

Cover für „Meine Olympiade – Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen“ von Ilija Trojanow

Meine Olympiade – Ein Amateur, vier Jahre, 80 Disziplinen

Ilija Trojanow

Vier Jahre lang hat Ilija Trojanow die Welt bereist, um alle 80 Olympia-Sommer-Einzeldisziplinen zu trainieren. Sein ehrgeiziges Ziel: jeweils halb so gut abzuschneiden wie die Goldmedaillengewinner von London.

Die Olympischen Spiele haben Trojanow von Kind an fasziniert. Die Eltern waren Leistungssportler, die Mutter Volleyballspielerin, der Vater Hürdenläufer. Als Flüchtlingskind streifte er 1972 durch München und versuchte möglichst jeden öffentlichen olympischen Wettkampf live zu erleben. Er hat dort Geher durch München wackeln sehen oder Radfahrer vorbeihuschen. Diese Faszination blieb ihm erhalten und so reifte, während er die Londoner Spiele 2012 im Fernsehen erlebte, die tollkühne Idee, seine eigene Olympiade zu veranstalten. Also trainiert er: Ringen in Teheran, Beach-Volleyball in Rio und Judo in Tokio. Er holt sich Blasen beim Rudern, erlebt das Trauma seiner Kindheit am Reck neu und kämpft sich über 3000 m Hindernis Runde um Runde aus dem Wassergraben. Sogar Reiten lernt er, folgt aber dem Rat seiner Freundin Juli Zeh, auf den Springparcours zu verzichten.

„Im Laufe der Recherche hat meine Bewunderung für die individuellen Leistungen im dem Maße zugenommen, wie meine Abneigung gegenüber dem Leistungssport. Nicht nur wegen der Dominanz von Kommerz, Betrug und Korruption, sondern auch, weil die Durchökonomisierung den Sport seiner Poesie beraubt“, schreibt er in seiner Einleitung. Einen Teil dieser Poesie gibt Trojanow dem Sport wieder zurück, weil er nicht einfach seine Erfahrungen niederschreibt oder großen Siegern huldigt. „Immer wieder führt er vor, dass das Sprechen und Schreiben über Sport nicht zwangsläufig aus dem Gestammel der Athleten im Ziel oder der Reporter auf der Tribüne bestehen muss“, schreibt Christoph Siemes in der „Zeit“. Und, so fährt er fort, „Mit eleganter Beiläufigkeit reichern Ausflüge in Etymologie, Kulturgeschichte, Körperkunde, Physik, Ernährungslehre und Trainingsmethodik den Selbsterfahrungsbericht an“.

So ist ein wunderbares Buch entstanden, das dem Sport huldigt, seine Dramen und Glücksmomente ohne Pathos dafür mit viel Witz und Ironie nachempfinden lässt und dank der stilistischen Fähigkeiten des Autors wunderbar zu lesen ist. Genau das richtige Buch für aktive Sportler, aber auch für alle, die Sportübertragungen im Fernsehen, wegen der unsäglichen Kommentare nicht mehr oder nur noch ohne Ton ertragen.

Erschienen bei Fischer / 19,99 €

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